3.     Christine ist eine engagierte Volksschullehrerin mit 26 Jahren. Selbst hat sie noch keine Kinder. Da sie noch nicht so lange im Bregenzerwald wohnt, ist vieles noch ungewohnt. Wenn sie beobachtet, dass ein Kind ein Problem hat oder vertiefende Hilfe brauchen würde, weiß sie oft nicht, wohin sie sich wenden kann. Dass es viele Unterstützungsangebote gibt, ist ihr bekannt, was ihr fehlt, ist ein Überblick. Mit der grafischen Darstellung der „Präventionskette“ im Bregenzerwald kann sie sich einen schnellen Überblick verschaffen. Die genauen Adressen findet sie im passenden „Geofinder“ online.

4.     Sarah ist 14 und voll genervt. Ihre Eltern haben sich getrennt, als sie noch klein war. Seit sie denken kann, sind sie und ihre jüngeren Geschwister schon 3mal umgezogen. Zu ihrer Mama hat sie „keinen Draht“ und mit ihren ganzen Problemen in der Schule könnte sie im Moment dringend eine Bezugsperson brauchen – eigentlich fehlt ihr so jemand schon länger, wenn sie darüber nachdenkt. Aber wem soll sie das sagen? Warum merkt niemand, wie es ihr geht? Die Leitsätze aus Sicht des Kindes/des Jugendlichen im Bregenzerwald hängen jetzt überall, wo Erwachsene mit Kindern zu tun haben. Dadurch entsteht ein allgemeines Bewusstsein für die wichtige Rolle, die jeder einzelne in seiner Arbeit als Lehrer oder Trainer usw. für Kinder hat. Sie sollen so dazu beitragen, dass mindestens ein Erwachsener in Sarahs Umfeld erkennt, was sie gerade braucht.

 5.     Sonja ist gerade mit ihrem Mann in den Bregenzerwald gezogen. Beide haben ihren Job in Dornbirn und in ein paar Monaten erwarten sie ihr erstes Kind. Für Sonja wird das noch eine große Umstellung: Die neue Gegend, von der Stadt aufs Land ziehen, niemanden kennen und dann das Baby…Durch „niedrigschwellige“ Elternarbeit und die Schaffung von Familientreffpunkten können Eltern wie Sonja unkompliziert Kontakte knüpfen und finden Zugang zu Tipps und Ratgebern zum Thema Erziehung. Wenn Sonja z.B. zur Elternberatung geht, wird ihr dort, während sie wartet, ein Kaffee angeboten. Sie kommt so ins Gespräch mit anderen Eltern und kann sich über eventuelle Sorgen austauschen oder sich Rat holen.

 6.   Werner ist Bürgermeister. In seiner kleinen Gemeinde gibt es gerade mal einen Kindergarten mit einer Kindergartenpädagogin. Wenn diese krank ist, was in letzter Zeit leider öfter der Fall war, steht Werner vor einem Problem: Entweder muss er alle Kinder nach Hause schicken oder er kümmert sich um einen Ersatz. Das ist oft zu kurzfristig und wenn er dann doch jemanden findet, der so nett ist, einzuspringen, wäre Werner rechtlich trotzdem nicht abgesichert, falls einem Kind etwas passiert. Mit der Schaffung von Teilzeitstellen für „regionalen Kindergartenpädagoginnen“ sollen Werners Probleme der Vergangenheit angehören. Sie sind speziell für die Vertretung im Krankheitsfall von Kindergarten-und Kinderbetreuungspersonal angestellt und springen im gesamten Bregenzerwald ein, wenn man sie braucht. Die kranke Pädagogin kann also künftig am Vorabend oder in der Früh eine Nummer anrufen und eine Vertretung organisieren. Werner wird mit diesen Dingen nicht mehr belastet.

 7.    Sabines 5jährige Tochter Amina geht in den Kindergarten. Beim letzten Elterngespräch hat die Kindergartenpädagogin erwähnt, dass bei Amina eventuell eine Teilleistungsschwäche diagnostiziert wird. Für Sabine bricht gerade eine Welt zusammen: Hat sie etwas falsch gemacht? Muss sie sich schämen? Und: Wie geht es weiter mit Amina? Wird sie mit den anderen Kindern mithalten können, wenn sie in die Schule kommt? Wird man sie auslachen? Hat sie jetzt eine Behinderung oder braucht sie einfach mehr Zeit? Irgendwie fühlt sich Sabine gerade sehr einsam – irgendwie bräuchte sie Unterstützung! Speziell für Kinder mit besonderen Bedürfnissen wird mit der fixen Verankerung eines individuellen „Unterstützungskreises“ ein wertvolles Werkzeug zur Gestaltung der Übergänge geschaffen. Sabine könnte also mit professioneller Begleitung jene Personen aus Aminas Umfeld einladen, die das Kind am besten einschätzen können. Zusätzlich sind jene PädagogInnen dabei, die jetzt und in Zukunft mit Amina arbeiten. Ziel der moderierten Sitzung ist ein bestmögliches Kennenlernen des Kindes für einen guten Start für alle Beteiligten.