Aus der Geschichte des Bregenzerwaldes

Die Geschichte einer Region setzt sich nicht nur die großen bekannten Ereignisse, sondern aus einer Vielzahl kleiner Begebenheiten zusammen. Diese machen die Geschichte erst spannend und interessant. Die Geschichte der "kleinen Leute" ermöglicht einen völlig anderen Blickwinkel und fördert immer wieder neue Aspekte des Alltaglebens zu Tage.

Die hier präsentierten kleinen Beiträge, die zum Teil auch schon im "Aus dem Bregenzerwald" veröffentlicht wurden, sollen einen Blick in die Geschichte des Bregenzerwaldes ermöglichen. Der ein oder andere Bestand des Bregenzerwald Archivs regt vielleicht zum weiter stöbern an.

Kochen Sie gerne?

Hier ein Rezept aus einem Rezeptbuch im Bregenzerwald Archiv, welches letzterem vor kurzem von Elisabeth Wicke geschenkt wurde. Das Rezept stammt vermutlich aus dem späten 18. Jahrhundert.

„Die Maul Taschen zu Machen. Wöge Butter und mehl gleich, nims äye dotter und weisen Wein, und guete Milch, mach den Taig damit an, und mach ihn nit gar zu lehn an, und treibe den daig 2: oder 3: mahl aus, damit es recht untereinander kombt, hernach mach ein guete Mandl fill an mit Zimmt, und lemony schölelen, riehrs wohl ab, aber nit gar zu lehn. Hernach schneie 4: ögete Blätlen daraus, streich die fill darauf, aber sie muß nit gahr zu lehn sein, und nit zu wenig zugger, biege die öggale über, und bach sie, seind guet“

Haben Sie selbst auch alte Rezeptbücher? Das Archiv freut sich über Schenkungen, Leihgaben oder wenn es die Rezeptbücher digitalisieren kann!

Kontakt: Mag. Katrin Netter, MA, Loco 8, 6863 Egg T: 0664/ 39 16 946 netter@remove-this.bregenzerwaldarchiv.at

 

Das Feldkircherhaus, ein Haus mit Geschichte

Im Jahre 1899 wurde das markante Haus im Ortszentrum von Egg fertiggestellt. Der spätere Gemeindevorsteher Josef Anton Natter (1859-1943) hatte es für seinen beiden Schwestern vom Feldkircher Architekten Anton Gamperle planen und von Johann Bertolini errichten lassen. Im Erdgeschoss des damaligen „Natterschen Hauses“ waren die Geschäftsräume der Sparkasse Egg bis 1959 untergebracht.

Seit Anfang Mai hat nun das Bregenzerwald Archiv hier seinen Sitz. Nach einer eingehender Planung und einer relativ kurzen Umbauphase konnten die von Architekt Josef Fink gestalteten Räumlichkeiten im Erdgeschoss des „Feldkircherhauses“ bezogen werden.

Am 7. September 2014 kann das Bregenzerwald Archiv bei einem Tag der offenen Tür besichtigt werden. Ansonsten ist das Archiv am Montag von 9 bis 16 Uhr und von dienstags bis donnerstags nach telefonischer Vereinbarung zugänglich.

Kontaktdaten: Simone Drechsel, T +43(0)664/39 16 946, E info@bregenzerwaldarchiv.at

 

Bahnhofsrestauration Egg

Um den wartendenden Reisenden die Zeit zu verkürzen wurden in unmittelbarer Nähe zu den Bahnhöfen, der 1902 eröffneten Bregenzerwaldbahn, Bahnhofsrestaurationen erbaut. In Egg nutzte Jodok Alois Schmid (geb. 7.4.1877, gest. 25.4.1951) die Gelegenheit und ersuchte um eine Baubewilligung für eine Bahnhofsrestauration auf seinem Grundstücke direkt neben dem Bahnhof. Um eine Gewerbe- und Schanklizenz hatte Jodok Schmid bereits angesucht und von der Bezirkshauptmannschaft Bregenz auch erhalten. Bei dem Lokalaugenschein am 20. Juli 1902 wurde ersichtlich, dass das Gebäude zu nahe an dem Areal der Bahn wäre und daher die Verwaltung der Bahn in Wien bzw. in Innsbruck entscheiden müsse. Die Leitung der Bahn gab ihre Zustimmung, aber nur unter besonderen Auflagen, wie der Verwendung von feuerfesten Materialen. So konnte noch im Jahr 1902 der Rohbau, des von Johann Bertolini (geb. 28.12.1859, gest. 31.12.1931) und Kaspar Ritter (geb. 12.10.1863, gest. 23.4.954) geplanten Gebäudes errichtet werden. Am 10. Januar 1903 genehmigte die Bahn die Errichtung einer teilweise auf Bahngrund liegenden Verbindungsrampe vom Restaurationsgebäude bis zum Stationsplateau in einer gesondert ausgestellten Vereinbarung. Diese wurde am 17. Januar 1903 von Jodok Schmid unterzeichnet. In weiterer Folge mussten auch die späteren Besitzer die Vereinbarung unterschreiben. 1925 wurde die Bahnhofsrestauration an Josef Schneider verkauft und ab dem Jahr 1972 befand es sich im Alleinbesitz von Roswitha Schäffler. Im Jahr 1975 erfolgte, einhergehend mit dem Niedergang der Bregenzerwaldbahn, der Abbruch des Hauses. Roswitha Schäffler plante den Neubau eines Cafés und Wohnhauses, wurde jedoch nie umgesetzt.

 

 

Der Nachlass der Anna Fröwis

Im Namen der am 10. Oktober 2011 verstorbenen Anna Fröwis aus Alberschwende übergab Herr Friedrich Wendlinger am 25. April 2013 einen Teil ihres Nachlasses dem Bregenzerwaldarchiv. Neben einer umfangreichen Postkartensammlung, mit zum Teil außergewöhnlichen Motiven, umfasst der Nachlass auch eine große Briefsammlung. Diese, 811 Briefe umfassende Sammlung, lässt sich inhaltlich in zwei Gruppen teilen. Zum einen in die rege Korrespondenz zwischen Anna Fröwis und ihrer Mutter Anna sowie ihrer Schwester Stefanie (Sr. Albuina) und zum anderen in die Zweite Weltkrieg Korrespondenz mit ihren Brüdern Andreas und Josef, die beide an der Front fielen. Diese berichten neben ihren Fronterlebnissen, genauso wie die Mutter und die Schwester von ihren alltäglichen Freuden und Problemen. Zusammen mit den Fotos von der Front, von der Familie, von Ausflügen und Festen gibt der Nachlass einen interessanten Einblick in das Leben einer Familie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Feldpostkorrespondenz aus dem Zweite Weltkrieg

Im Dezember 2012 bzw. Januar 2013 bekam das Bregenzerwaldarchiv einen wichtigen und interessanten Feldpostbestand als Leihgabe von Herrn Altlandtagsabgeordneten Herbert Fink aus Sulzberg in seinen Bestand. Es handelt sich dabei um die Feldpostkorrespondenz der Brüder Georg, Armin und Max Fink, die 1942 einrücken mussten und von denen nur Armin Fink nach Hause zurück kehrte. Herr Konrad Blank, der maßgeblich an der Übergabe der Briefe beteiligt war, hatte zum Zeitpunkt der Übergabe bereits eine grobe Übersicht über den Briefverkehr mit einigen Inhaltsangaben zu den Briefen erstellt.

In den insgesamt 891 erhaltenen Briefen berichten sowohl die drei Brüder von ihren Erlebnissen bei den Fronteinsätzen und vom alltäglichen Soldatenleben als auch die Eltern und Geschwister vom Leben an der Heimatfront und geben damit einen interessanten Einblick in das Leben während des Zweiten Weltkrieges.

Innig geliebte/r meines Herzens!

Ein ganz besonderer Briefnachlass erzählt die Liebesgeschichte ziwschen dem Schwarzenberger Franz Josef Schweizer und der aus Sonntag stammenden Maria Burtscher.

Die beiden lernten sich im Frühjahr 1912 kennen, als der Senn Franz Josef Schweizer auf der Alpe Laguz tätig war. Bereits im Herbst desselben Jahres kehrte er nach Schwarzenberg zurück. Auf Grund der weiten Strecke und da die landwirtschaftlichen Arbeiten den Alltag der beiden bestimmten, waren persönliche Treffen eher die Ausnahme. Alles musste per Brief mitgeteilt werden, später auch die Hochzeitsvorbereitungen. Kurz nach der Hochzeit am 8.6.1914 brach der 1. Weltkrieg aus und Franz Josef Schweizer musste einrücken. Wieder wurde per Brief Kontakt gehalten. Diese Liebesbriefe geben einen guten Einblick in das Leben der Bauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts.